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Lernen mit Schmerzen

Kyosho-Lehrgang mit Jörg Uretschläger in Karlsruhe.

„Die Lehre vitaler Druckpunkte in den Kampfkünsten“, so könnte man Kyosho beschreiben. Dabei handelt es sich nicht um eine eigenständige Kampfkunst.
In der Akupunktur beispielsweise findet man verschiedene Meridiane auf denen Punkte liegen, die, wenn sie stimuliert werden, bestimmte, heilsame Auswirkungen auf den Körper haben. Im Kyosho kann man durch Dücken, Schlagen oder Reiben diese Punkte negativ stimulieren. Oder einfacher ausgedrückt: Aua!

Da diese Punkte sich nicht auf eine Kampfkunst begrenzen, sondern bei jedem Menschen existiren, beschränkt sich Kyosho auch nicht auf bestimmte Stilrichtungen, ist aber in vielen Kampkünsten auffindbar. So war dieser Lehrgang auch alles andere, als ein typischer Karatelehrgang: kein traditionelles An-und Abgrüßen, Teilnehmer, die sich absichtlich weh tun und eine betont lockere Atmosphäre ließen klar werden, dass Karate heute der nur der Überbau sein würde.

Laut Sensei Jörg Uretschläger, der Trainer beim PSV Gladbeck ist, hatte Gichin Funakoshi, der Begründer des modernen Shotokan Karate, 15 Katas und 50 Druckpunkte niedergeschrieben. Wobei die Druckpunkte nach und nach in Vergessenheit gerieten.

Sensei Uretschläger brachte immer wieder unterschiedliche Katas und Kyosho auf einen Nenner. Teilweise konnte man in verschiedenen Techniken in der Kata eine Wirkung abgewinnen, die man zuvor so jedenfalls bestimmt noch nicht kannte.

Gerade die betont lockere Atmosphäre war auch notwendig; wenn im Kyosho etwas klappt so merkt man das sofort, zumeist kann man das dann am schmerzverzerrten Gesichtsausdruck seienes Trainingspartners ablesen. Glücklicherweise geht man dabei abwechselnd vor, so dass jeder seine masochistische Ader kennen lernen durfte. Angefangen bei den Handgelenken arbeiteten wir uns mit unseren Partnern von (Schmerz-)Punkt zu Punkt vor.
So kann man mit kleinsten Techniken maximale Ergebnisse erzielen. Deswegen hieß es während der zahlreichen Erklärungen und Demonstrationen immer wieder eng zusammenrücken, da man oft genau hinsehen musste, um zu sehen, wie´s geht.

Vielen Dank an den 1. Shotokan Karate Club Neureut für einen seeeehr intensiven Lehrgang und Udo Neubert-Fritz für die Bilder vom Lehrgang.

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